Im Interview: Romuald Trieb, Architekt und Planer

Romuald Trieb ist Dipl-Ing. (FH) Architekt und seit 1991 Inhaber des Architekturbüro Trieb in Augsburg. In dieser Zeit hat er sich mit einem großen Aufgabenspektrum in der Planung und Realisierung von Geschossbauten befasst.

Er und sein Team planen und realisieren Neubauten und arbeiten ebenso im Bestand. Sein Anspruch ist es, architektonisch ansprechende Lösungen für gewerbliche wie private Bauherren zu realisieren. Er ist verantwortlicher Planer unseres Neubauprojekts Wohnensemble Friesenstraße.

 

Herr Trieb, wie war Ihre grundsätzliche Herangehensweise, um die Baulücke in der Friesenstraße zu schließen?

Trieb: Zunächst ist es für Architekten immer eine besondere Herausforderung im Bestand zu bauen. Viele Punkte sollten berücksichtigt werden: Welche Architektur fügt sich gut in das Umfeld? Welche Höhen und Ausmaße werden den umliegenden Bestandsbauten gerecht? Wie können Individualität und Intimität der künftigen Bewohner gewährleistet werden?

Prinzipiell ist es im Sinne der Nachhaltigkeit immer zu bevorzugen, keine neuen Flächen zu versiegeln, sondern Lücken in der Bebauung zu nutzen. Das hat nicht zuletzt den besonderen Vorteil, dass zentrales Wohnen in gewachsener, oftmals sehr ruhiger Lage ermöglicht wird. In der Friesenstraße sind diese Punkte alle erfüllt. Darum auch der Entschluss, nur 14 Wohnungen zu errichten. Jeder soll sich hier als Individuum fühlen.

 

Mit welchen besonderen Herausforderungen wurden Sie bei der Planung des Projekts konfrontiert?

Trieb: Aufgrund des Grundstücksschnittes werden wir zwei Wohnkomplexe errichten. Direkt an der Straße entstehen kleinere Wohnungen, die dem gesteigerten Bedarf nach 2-Zimmerwohnungen gerecht werden. Rückgelagert entsteht ein Gebäude mit großräumigen Einheiten und Gartenanteilen bzw. ausladenden Balkonen, also ideal für Familien. Wir sind so aufgestellt, dass Grundrissänderungen noch möglich sind. Das bedeutet, künftige Eigentümer können entsprechend ihrer Bedürfnisse die Aufteilung mit beeinflussen.

Offene Räume und große Fensterflächen vermitteln Weite und Helligkeit. Wichtig war uns auch, barrierefrei zu bauen. Das bedeutet, die Bewohner dürfen bis ins hohe Alter in ihren geliebten vier Wänden bleiben. Außerdem haben wir auf ein sich veränderndes Fortbewegungsverhalten reagiert: Der große Fahrradkeller für über 30 Räder in der Tiefgarage sowie Ladeanschlüsse für Elektrofahrzeuge an den Stellplätzen sind zukunftsweisend.

 

Welche neuen Entwicklungen sehen Sie im Geschosswohnungsbau?

Trieb: Prinzipiell gehen wir wieder weg vom Wärmedämmverbundsystem. Es hat doch mehr Nachteile als zunächst vermutet. Das Material ist leicht brennbar, die Entsorgung kompliziert. Für ein besseres Raumklima sind natürliche Baustoffe im Trend – auch wir haben uns deshalb in der Friesenstraße für einen monolitischen Außenwandaufbau mit Wärmedämmziegeln entschieden, das sind Ziegel mit integrierter mineralischer Dämmung.

Auch die Entwicklung der immer engeren Bebauung aufgrund von stark gestiegenen Grundstückspreisen treibt uns Architekten um: Wie kann den Bewohnern trotzdem genügend Luft und Freiraum gewährleistet werden? Auch dieses Thema haben wir im Projekt Wohnensemble Friesenstraße durch kluge Planung ideal umgesetzt.

 

Herr Trieb, herzlichen Dank für diesen Einblick in Ihre Arbeit!

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